Oracle Audit Risiko und Zahlungen durch Brexit ?

Aktuell warnt ein Oracle-Lizenzberater, dass das Risiko eines Audits und damit verbundener etwaigen Zahlungen druch den Brexit größer wird.
Ich habe den entsprechenden Artikel aufmerksam gelsen und kann deren Schlussfolgerungen nicht nachvollziehen, geschweige denn teilen.

 

Ich bin der Meinung, in dem Artikel werden zwei Dinge durcheinander gewürfelt:
Kundendefinition (wer darf nutzen?) und regionale Nutzung (wo darf genutzt werden?).

Kundendefinition:
Wenn nichts besonderes vereinbart wird, darf die Oracle-Lizenz nur vom Lizenznehmer=Vertragspartner zu dessen internen Geschäftszwecken verwendet werden. Also nur von der kaufenden Legal Entity. Von niemand anderem. Es dürfen fremde Personen und Mitarbeiter von fremden Unternehmen auf die Oracle-Produkte zugreifen, aber nur, wenn es dem Geschäftszweck des Lizenznhemers dient (also bspw. Bestellung direkt übermitteln, Lagerbestände einsehen, …) und bzgl. der Lizenzmentrik passt. Sofern andere Unternehmen die Lizenzen zu deren Geschäftszwecke nutzen wollen/sollen, benötigt der Lizenznehmer zusätzliche Rechte, die zur Lizenz von Oracle vergeben werden:

  • Bei verwandten/verbundenen Unternehmen braucht der Lizenznehmer eine erweiterte Kundendefinition (siehe unten).
  • Soll die Lizenz „fremden“ Unternehmen zu deren Geschäftszwecke zur Verfügung gestellt werden, benötigt der Lizenznehmer zusätzlich ein Hosting-Recht.

Hier geht’s jetzt um die erweiterte Kundendefinition. Um diese zu gewähren, gibt es typischerweise Formulierungen, die inhaltlich z.B. folgendes besagen:

  • Die Nutzung ist neben dem Lizenznehmer auch seinen Tochtergesellschaften gestattet, bei denen eine Mehrheitsbeteiligung besteht (typischer Fall, wenn eine Muttergesellschaft die Lizenzen für sich und für die Töchter beschafft).
  • Die Nutzung ist neben dem Lizenznehmer auch seiner Muttergesellschaft XYZ AG und deren Tochtergesellschaften gestattet, bei denen eine Mehrheitsbeteiligung besteht (typischer Fall, wenn eine IT-Tochtergesellschaft die Lizenzen für sich, die Muttergesellschaft und für deren Töchter beschafft).
  • Die Nutzung ist neben dem Lizenznehmer auch den in Anhang x aufgeführten Unternehmen gestattet (namentliche Nunnung der Unternehmen in einem Vertragsanhang).

Kann hier irgendwo der Brexit Probleme verursachen ?

Nein. Entweder ist eine in UK ansässige Tochter über eine der Formulierungen berechtigt, die Lizenzen zu nutzen, oder eben nicht. Wenn sie es jetzt ist, dann wird sie es auch nach dem Brexit sein. Der Brexit verändert die erweiterte Kundendefinition nicht. Erweiterte Kundendefinitionen, die in irgendeiner Form eine Region oder einen Wirtschaftsraum beinhalten, habe ich in meiner 20jährigen Erfahrung im Oracle-Lizenzumfeld noch nicht gesehen. Auch von Oracle LMS habe ich Ähnliches gehört.

 

Regionale Nutzung:
In den Oracle-Kaufdokumenten findet sich i.d.R. ein Passus, der das Gebiet festlegt, in dem die Lizenzen vom Lizenznehmer (siehe oben) genutzt werden. Diese Definition der regionalen Nutzung dient nach meinem Kenntnisstand nur Oracle-internen Zwecken (Zuordnung des Umsatzes zwecks Provisionen, Verhindern von Wilderei in fremden Ländern etc.) und darf dem Kunden ohnehin nicht  als Vorgabe auferlegt werden. Daher ist die Formulierung vor einigher Zeit auch nochmal geändert worden. Hier der  Auszug aus einer Gebietsdefinition, bei der die Nutzung in mehreren Ländern erfolgt:
„Damit Oracle Dienstleistungen an den Endnutzer erbringen und Einnahmen zu Steuerzwecken genau angeben kann, wird davon ausgegangen, dass die hierunter erstmalig erworbenen Programme in den jeweiligen Ländern entsprechend dem beigefügten Anhang „Geschätzte Nutzung nach Gebieten“ installiert und/oder genutzt werden. Die Verwendung der Programme durch den Endnutzer ist nicht auf diese Schätzwerte beschränkt“. Der von mir rot markierte Satz sagt eindeutig aus, dass Oracle keine Ansprüche geltend machen wird, wenn die Nutzung sich anders als vorher festgelegt auf die Gebiete verteilt.

Kann hier irgendwo der Brexit Probleme verursachen ?

Nein. Zum Einen wird Oracle die Gebietsfestlegung nach meinem Kenntnnisstand in einem Audit heute nicht mehr prüfen, und zum Anderen habe ich noch keine Gebietsdefinitionen gesehen, die die EU als Region/Wirtschaftsraum beinhalten. Die Formulierungen beziehen sich immer dezidiert auf Ländernennungen oder lauten pauschal „weltweit, vorbehaltlich den US Exportgesetzen“. Auch von Oracle LMS habe ich Gleiches gehört.

 

FAZIT: Durch den Brexit steigt meiner Ansicht nach das Auditrisiko nicht. Auch die Gefahr für Zahlungen durch Unterdeckung bei einem Audit verändert sich durch den Brexit nicht.

 

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Aktuelle Situation zu Oracle Java SE

 

Kaum war der hier erwähnte Artikel erschienen, hat Oracle die vertraglichen Bestimmungen für die Nutzung von OracleJDK 8 ab Build 211 sowie für OracleJDK 11, 12, ff angepasst. Diese Änderungen habe ich in einem weiteren Artikel in der Java Aktuell, Ausgabe 04/2019, die heute erschienen ist, beschrieben.

Wer den Artikel online lesen möchte, kann das auch hier tun: 04_2019-Java_aktuell-AUTOR-Michael_Paege-Java_Was_aendert_sich_Neuerungen_im_April_2019

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Preiserhöhung bei Oracle

Zum 01.06.2019 hat Oracle die Preise für Tech-Produkte, Java, OVM und Linux um ca. 3,5% erhöht.
Begründet wurde dies mit Wechselkursanpassungen. Die letzte Preisänderung/-erhöhung im Tech-Bereich war im März 2015.

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Wie geht es mit Oracle Forms weiter ?

Wie hier bereits berichtet, läuft der Premier Support für Forms 12.2 bis August 2022, der Extended Support dann bis August 2025. Das sind zwar noch mehr als 3 bzw. 6 Jahre, aber man fragt sich natürlich, wie es mit Forms danach weitergehen wird.

Offiziell, ist noch nichts, aber da Oracle in der E-Business-Suite Roadmap den Fortbestand der E-Business Suite bis 2030 bestätigt, kann man vorsichtig hoffen, dass Forms als zugrunde liegende Basistechnologie ebenfalls bis zu diesem Zeitpunkt weiterhin supportet wird.

Dass Forms noch lange nicht tot ist, zeigte auch der diesjährige wieder einmal sehr gut besuchte und inhaltlich hoch interessante Forms Day der DOAG.

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Java: was ändert sich ?

Soeben ist die „Java Aktuell„, die vom ijug herausgegeben wird, mit einem Artikel von mir über die Änderungen bzgl. der Lizenzierung von Java erscheinen. Dieser Artikel ist auch hier in diesem Blogbeitrag zu finden:

03-2019_Java-aktuell_AUTOR_Michael-Paege_Java-Was-ändert-sich-Risiken-und-Handlungsalternativen-für-Java-Nutzer

Und wie das Leben so spielt, hat sich Oracle seit dem Redaktionsschlus für die aktuelle Ausgabe noch ein paar Änderungen einfallen lassen.

Über diese Änderungen und Neueigkeiten berichte ich am Montag, 06.05.2019 um 15:00 Uhr in unserem Webcast. Danach dann, wenn ich die Zeit finde, in einem Artikel hier und, wenn die „Java Aktuell“ möchte, auch dort.

 

 

 

 

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OracleJDK 8 Updates bei kosten- und damit supportfreien Oracle-Produkten

In unseren Webcasts und Workshops zum Thema Java-Updates wurde oft die Frage gestellt, ob man als Nutzer von kostenfreien Oracle-Produkten, für die man ja auch keinen Support beziehen kann, zukünftig die kostenpflichtigen Updates für OracleJDK 8 bekommen kann.

Mittlerweile gibt es hier erste Aussagen von Oracle:

Als Begründung, dass der Java Support beim SQL Developer inkludiert ist, bei der DB XE aber nicht, wurde von Oracle genannt, dass es sich beim SQL Developer um eine IDE, also um eine Entwicklungsumgebung handelt.

Dieser Logik folgend, folgere ich dann, dass für Glassfish der Java Support ebenfalls nicht enthalten ist, weil es sich nicht um eine IDE handelt.

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RAC nicht mehr Bestandteil der Oracle DB SE2 19c

Nachdem wir zunächst auf einen Fehler in der Doku der DB 19c gehofft hatten, hat Oracle nun bestätigt, dass tatsächlich Real Application Clusters (RAC) nicht mehr Bestandteil der DB SE2 19c ist. Hier der Twitterverlauf dazu:

Weitere Kommentare dazu verkneife ich mir jetzt am besten, aber es ist mal wieder eine weitere Entscheidung zum Nachteil der OnPrem-Kunden. Man will damit offensichtlich mit Gewalt die Kunden in die (Oracle-) Cloud bringen. Ob das allerdings gelingen wird ?

 

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